Nachrichten aus der Ukraine


Bahnverbindungen
October 9, 2008, 7:10 pm
Filed under: Aus der Region

Was vielleicht noch ganz interessant ist:
Auf meinem Weg nach Deutschland habe ich das erste mal die Bahnverbindung über Slowakei und Tschechien ausprobiert, was sehr gut funktioniert hat. Der Bahnübergang von Chop in die Slowakei ist zwar aufregender als nach Budapest (die Ukraine ist halt dann doch eine sehr beliebte Schmuggel Grenze in beide Richtungen) aber als Westeuropäer hat man eigentlich nicht viel zu befürchten. Bei der Einreise in die Slowakei muss man komische Zollerklärungen ausfüllen über die Zigaretten die man dabei hat, mit Code und Gewicht und so. Aber ich hatte erfahrene Leute dabei, die mir beim ausfüllen geholfen haben und alle ungarisch sprachen, was ich bei dieser Grenze nicht unbedingt erwartet hätte. Aber offensichtlich wohnen in der Grenzregion in der Slowakei auch sehr viele Ungarn. Von diese 3/4 Stunde die die Grenzüberquerung gedauert hat, könnte ich ewig viele Geschichten erzählen!
Da war zum einen ein sehr lautes Kind. Das ungarisch sprach, allerdings auf sehr merkwürdige Weise. Und selten in ganzen Sätzen und mit sehr viel Mimik. In solchen Situationen komme ich mit meinen Ungarischkenntnissen an Grenzen, die es mir nicht ermöglichen gewisse Nuancen und Stilmittel zu unterscheiden, und festzustellen, ob das einfach nur aufgedreht und albern war, oder behindert. Nicht, dass das besondere Relevanz gehabt hätte, aber ich bin grade so ans analysieren gewöhnt, dass mich verwirrende Grenzen die unseren Kategorien nicht entsprechen und so schwer einzuordnen sind immer wieder reizen. Auch ob es ein Mädchen oder ein Junge war kann ich nicht sagen. Es hatte nen Jungsnamen, sah mit dem Zopf und blonden Locken aus wie ein kleines Mädchen – der Laster in der Hand sprach wieder dafür, dass es ein Junge war. Macht Spaß sich so immer wieder selber dabei zu ertappen, seine Voreingenommenheit nicht abstellen zu können. Außerdem gebe ich mir ja auch für meine Magisterarbeit gerade Mühe herauszufinden wie sich Zigeuneridentität manifestiert. Der Vater von dem Kind, sah auf Grund der Kleidung aus wie ein Amerikaner, sprach aber ungarisch und war offensichtlich slowakischer Staatsbürger. Durch seine dunklen Haare und dunkle Haut, hätte er, da er nicht aus Amerika kam, dann eher ein Zigeuner sein müssen. Sein Verhalten und seine Sprache gaben darauf aber überhaupt keinen Hinweis, so dass ich für mich entschied, dass er per Selbstdefinition und Präsentation kein Zigeuner sei, alles andere liegt mir fern zu beurteilen. Dass er von der Mehrheitsbevölkerung offensichtlich als Zigeuner eingestuft wurde, wurde in dem Moment deutlich, als er als einziger nach dem Verlassen des Zuges einer weiteren Zoll-Kontrolle unterzogen wurde….
Dabei haben wahrscheinlich außer mir und dem Kind alle geschmuggelt, wie weiß ich allerdings nicht, da die Grenzbeamten meines Erachtens alles an der Bahn auseinander genommen haben, was es gab. Da sie aber ständig flüsternd von einem Abteil ins andere liefen und kommunizierten war das schwer zu übersehen…. Und dann war da noch diese Frau die bei mir im Abteil saß….

Aber eigentlich wollte ich was zur Bahnfahrt schreiben:
Chop-Kosice € 10,-
Kosice-Prag € 35,-
Prag-Berlin € 50,-
Also auf jeden Fall günstiger als über Budapest, es sei denn man hat von da nen günstigen Flug oder Mfg.
Ticket von Budapest nach Chop und zurück kostet ca. € 35,-
Es ist auch im jeden Land (Slowakei / Tschechische Republik) genug Zeit um am Schalter den Fahrkartenpreis zu erfragen, einen Geldautomaten zu suchen und Geld abzuheben. Also keine großen Planungs- und Umtauschaufwände vorher (nein, Ungarn hat auch noch keinen Euro und die Ukraine eh nicht, obwohl hier inzwischen auch alles eher in Euro als in Dollar gerechnet wird).

So. jetzt gute Nacht!



Deutschland/Ungarn/Ukraine
October 9, 2008, 6:37 pm
Filed under: Angekommen | Tags: , , , ,

Noch mal ein Update von mir, obwohl ich eigentlich Magisterarbeit schreiben sollte. Das klappt aber irgendwie grade nicht so gut, so uninspiriert, dass es nicht wirklich Sinn macht Sachen nebeneinander aufzuschreiben, die ich beim nächsten Angucken eh wieder neu schreiben muss…

Also nach einer kalten aber schönen Woche in Deutschland, bin ich Freitag nachmittag in Budapest gelandet. Ich musste mal wieder feststellen, wie schön es da eigentlich ist und dass ich wohl demnächst noch mal einen längeren Abstecher dahin machen sollte. Diesmal war nur ein Ausflug zum ethnografischen Museum drin, der mich mitten durch den am Sonntag stattfindenden Marathon geführt hat. Direkt neben dem Museum war eine Essen- und Getränke Ausgabe und als ich um die Ecke daneben bog, war ich auf einmal direkt zwischen den Läufern, die über den Fußweg abkürzten…
Das Museum kann ich empfehlen, grade läuft da eine Levi-Strauss Ausstellung zum Thema “The Other” – Erklärungen dazu leider im Moment noch ausschließlich in Ungarisch, soll sich aber in nächster Zeit ändern, aber gut gemacht.

Montag morgen bin ich wieder zurück in die Ukraine (eigentlich sollte ich in Budapest anfangen eine Website für RGDtS zu machen, aber demjenigen mit dem ich das machen sollte, ist leider seine Familie dazwischen gekommen) und habe mich wirklich gefreut mit dem Fahrrad wieder durch diese sonnige kleine Stadt zu fahren. Abends hat mein Chef auch gleich angerufen, damit wir am nächsten Tag einen ganz eiligen Projektantrag abschicken können. Das ging dann aber doch erst einen Tag später, weil da noch ein langer Tag an Übersetzungsarbeit drinnsteckte, ist jetzt aber auch weg, weswegen ich heute dann schon wieder frei hatte. Das tolle Wetter hier habe ich genutzt um dem kleinen Hund hier ein Halsband und eine Leine zu kaufen und mit ihm einen Ausflug auf den Hügel zu machen, an dem ich schon ein paar mal vorbei gelaufen war. Die Hoffnung, von dort aus auch weiter in die Berge zu kommen hat sich leider nicht bestätigt, dafür hab ich den Friedhof gefunden. Den ich auch noch mal intensiver betrachten werde. Der kleine Hund, der seit seiner Ankunft hier Mitte September an der Kette im Hof war, ist noch nicht so richtig fit, was verständlich ist, wenn man bedenkt dass sein Bewegungsradius in letzter Zeit so ca. 2 Meter war. Aber er hat sich gut gemacht, sowohl an der Leine, als auch ohne, das mit dem gehorchen ist noch etwas schwierig, aber er hatte bis heute auch noch keinen Namen. Nachdem das zwischen den Gräbern rumspringen offensichtlich zu anstrengend wurde, sind wir dann zum Romani Yag Hotel, wo die schönen Flickr Fotos entstanden sind! Das Mädchen im roten Kleid, ist Vika, die auch bei mir wohnt (bei der ich wohne wohl eher), aber die ich eigentlich kaum sehe, weil sie morgens früh das Haus verlässt und abends spät wiederkommt um im Romani Yag Restaurant zu arbeiten. Der einzige Tag an dem sie frei hat ist Montag und an dem muss dann das Haus hier geputzt werden…
Auf jeden Fall haben wir uns dort überlegt, den Hund Nika zu nennen. Bzw. sie hat das vorgeschlagen, weil das wie Vika klingt. Fand ich ok.
Was hier im Haus los ist weiß ich auch nicht so genau. Aber es ist ziemlich laut und und es gibt ziemlich viel Geschrei. Der Mann meiner Gastgeberin (?) hat mir heute morgen erzählt, dass es was mit Geld zu tun hat, was irgendwelche Leute von ihnen wollen, aber genau verstanden habe ich das nicht. Er kann eigentlich viel ungarisch, warum er mit mir einen komischen Sprachmix spricht weiß ich nicht so genau, aber hallo sagen wir uns inzwischen auf Romanes.
So much for now. Liebe Grüße nach Deutschland!