Nachrichten aus der Ukraine


Zweite Eindrücke
September 10, 2008, 9:22 pm
Filed under: Anfänge

noch mal ein kleines weiterführendes update.
Internet im Büro ist wahnsinnig langsam und im Internetcafe wahnsinnig laut und ungemütlich. Mal sehen.
Wenn die Sachen die ich für das Büro machen soll eigentlich alle was mit Internet zu tun haben sollen, dann geht das auf dauer nicht wirklich so.
Genauso mit dem wohnen hier im Hotel. Heute wurde ihnen bewusst, dass wenn ich € 200,- im monat zahle, das viel weniger ist, als sie pro nacht bekommen würden… ist mir ganz recht. wäre auch auf dauer zu komisch hier fürchte ich.
vielleicht treffe ich mich in den nächsten tagen mit ein paar germanistik student_innen mal schauen was die sagen. zum anfang hier ein bisschen luxus zu haben finde ich auf jeden fall nicht schlecht.
mein erster arbeitstag gestern dauerte ungefähr ne 3/4 stunde gestern, mit einer kurzen Einführung in was ich machen soll: förderprogramme suchen die irgendwas mit menschenrechten zu tun haben und dann anträge schreiben.
heute wurde ich dann noch mal ins büro gebracht und es wurde geprüft, ob ich den computer alleine anstellen kann… dann wieder zurück und ich alleine mit dem fahrrad noch mal ins büro. hab mich nur zwei mal verfahren, was auf jeden fall viel besser ist als gestern abend, als ich das büro und das gegenüberliegende restaurant gesucht habe. dafür wissen wir jetzt auch, dass uzhorod ziemlich klein ist und man immer wieder irgendwo raus kommt, wo man schon mal war. inzwischen bin ich schon so weit, dass ich nette wege finde, die fahrradfreundlicher sind…
war auch grade im supermarkt hier direkt gegenüber, der von 8-22h auf hat, mit riesiger bierauswahl – infrastruktur scheint hier fast besser als in leipzig ;)
wetter ist immer noch großartig, abends ein bisschen frisch (dann braucht man einen pulli), aber sonst absolut sonnig und warm.

….

So, jetzt noch mal ein kurzes update. 16h und ich komme ziemlich durchgeschwitzt vom einkaufen zurück. Ganz schön heiss hier. Vorher war ich beim Bahnhof um zu kucken, wann mein Zug morgen früh nach Szernye geht, wo ich voraussichtlich bis Montag bleiben werde um noch mal Interviews für meine Magisterarbeit zu machen (auch in der Schule). Die Arbeit daran läuft ganz gut, hab fast all mein Material gesichtet und dekürzt, noch zu klärende Fragen rausgeschrieben, den Rest wollte ich heute Abend machen und wenn morgen und übermorgen gut und die nächste Woche so wie diese läuft, dann könnte die Arbeit in ihren groben Zügen nächste Woche fertig sein. Klingt ein bisschen zu ambitioniert? Mal schauen… Wenn’s diesen Monat fertig würde wäre das schon ok….
Aber schreiben hier mit direkter Verbindung – da machte die räumliche Nähe offensichtlich doch ne ganze Menge aus – geht einfach viel besser. Und natürlich auch ganz cool zu wissen, dass ich für weitere Fragen nur mal kurz 1 1/2 Stunden rüber fahren muss (Zug scheint auch schneller geworden zu sein – mit der Realität werde ich das morgen vergleichen…)
Ansonsten bin ich ziemlich froh, dass ich schon ungarisch kann, ich weiss gar nicht was die sonst mit mir machen würden? Außer mir eine der zur Verfügung stehenden Sprachen bei zu bringen…
Na ja, da das mit der Verständigung aber ziemlich gut klappt, hab ich als erste Aufgabe bekommen ne Stiftung zu finden, die ein Projekt für Rechtsberatung für Zigeuner aus der Region finanziert. Leider sind alle Sachen, die sie vorher gemacht haben bis jetzt noch wahnsinnig ungeordnet über verschiedene Computer verteilt mit nicht zuortenbaren Namen versehen und na ja, von sehr unterschiedlicher Verwertbarkeit…
Ich bin jetzt grade dabei mir das alles anzukucken, nutzbare Informationen auf einer Internetseite zusammen zu stellen, die Seite werde ich dann wohl Montag oder Dienstag online stellen, wenn ich hoffentlich Internet habe und dann, wenn ich einen gewissen Überblick habe, die Anträge auszufüllen.
Ich glaub Aladar hätte es zwar lieber andersrum, erst Anträge, dann Internetseite, aber ich mach das lieber der Reihe nach, auf die eine Woche kommt es finde ich nicht an, außerdem können die froh sein, dass ich mich überhaupt schon mit solchen Dingen auseinandersetzen kann….
(Sind sie auch denk ich.)
Fürs Hotel soll ich übrigens auch ne Internet Seite machen, muss nur noch mal klar stellen, dass das Geld was ich kriege, für die Arbeit bei der NGO ist und nicht um die davon unabhängigen Besitztürmer der Mitarbeiter zu bewerben…ich muss ja auch dafür bezahlen hier i Hotel zu sein…
Aber Montag ziehe ich wahrscheinlich um. War ganz lustig, nachdem es hieß, ich könnte für € 200,- hier im Hotel wohnen bleiben, haben sie jeden Tag um € 50,- erhöht, weil sie festgestellt haben, dass es sich für sie sonst gar nicht rechnet (obwohl hier sonst niemand wohnt….). Nachdem ich gesagt habe, dass ich nicht mehr zahlen kann haben wir uns darauf geeinigt ein Zimmer/Wohnung zu suchen. Und nachdem Miro dann kam und gesagt hat, dass 150 auch reichen, war auch das schnell gefunden. Für mich werden jetzt drei Parkistanis vor die Tür gesagt, die bis jetzt bei irgendeinem Verwandten (testvèr=Geschwister, hier aber eher ein weit gefasster Begriff) gewohnt haben. Da gibt es warmes Wasser und einen Schlüssel fürs Zimmer und wahrscheinlich auch ein Klo drinnen. Vielleicht sogar ne Küche die ich mitbenutzen kann. Aber das wird sich dann wohl Montag zeigen.
Lustig fand ich grade auch, dass ich gefragt habe ob ich hier irgendwo Wäsche waschen könnte und sie mir erzählt haben, dass es hier keine Waschmaschine gibt. Sehr merkwürdig ein Hotel und Restaurant ohne Waschmaschine, dafür Flachbildschirme und Whirlpooldusche (die ich immer noch nicht vernünftig genutzt habe – vielleicht kann ich ja auch ‘nen deal mit ihm machen: er bekommt eine Internetseite und ich darf im Winter ab und zu zum Baden vorbei kommen…) aber dafür gleich noch ein neues ungarisches Wort gelernt wásolni (sprich: wascholni). Das eigentliche Wort wäre mosolni (sprich moscholni), also vom Klang nicht so weit weg, aber da weder im russischen, noch im ukrainischen eine Ähnlichkeit dazu besteht, frage ich mich schon ein bisschen wie das deutsche “waschen” nach Uzhgorod gekommen ist…
Außerdem interessant finde ich die ganzen Stereotype die mir bis jetzt präsentiert wurden, von einem Zigeuner wohlgemerkt. “Unsere Buchhalterin (auf russisch: buchhalter) ist jüdisch. Juden sind sehr gute Buchhalter. Schon immer. Die haben das im Kopf. die Russen können das nicht so gut.” Auf die Russen sind sie hier sowie so nicht gut zu sprechen. Das sind alles Diebe und Kommunisten und viel zu streng und starr und zu böse. Bis ich anfange mit ihnen über die Dekonstruktion von Stereotypen zu reden wirds aber wohl noch ein wenig dauern…


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